authentisch

Anders als die anderen. Reich an Reife und mit junger Geisteshaltung. Beweglich am Markt und berechenbar für unsere Partner. So treten wir auf und so werden wir wahrgenommen: als zuverlässiger und anerkannter Partner, mit dem man zu jeder Zeit gemeinsame Lösungen erarbeiten kann. Eine Authentizität, die das Vertrauen in uns auf ein stabiles Fundament stellt und inzwischen auch zu unserem Markenzeichen zählt.

Claudia Fritsche (Foto)
Im Gespräch mit: Claudia Fritsche,
Jahrgang 1952, Botschafterin des
Fürstentums Liechtenstein in den USA

Frau Fritsche, Sie sind nun seit 17 Jahren in den USA. Vermissen Sie Ihre Heimat? Natürlich. Allerdings komme ich auch hin und wieder nach Hause, wenn es die Zeit erlaubt. Ausserdem bekomme ich gelegentlich Besuch von meinen Freunden; die tragen dann ein kleines Stückchen unserer gemeinsamen Heimat zu mir in die USA.

Kompliment. Über so einen langen Zeitraum und über Landesgrenzen hinweg ist es nicht einfach, Freundschaften zu pflegen. Das ist richtig, aber es geht. Meine Freunde sind mir wichtig; sie bedeuten mir viel. Darum wende ich auch gerne die nötige Zeit für sie auf.

Das klingt, als hätten Sie davon reichlich? Ganz und gar nicht. Freie Zeit ist in meinem Beruf ein knappes Gut. Ich fühle mich oft selbst dann noch im Dienst, wenn ich es eigentlich nicht bin.

Können Sie mir das etwas genauer erklären? Wenn ich beispielsweise morgens die Zeitung hole, die vor dem Haus liegt, dann tue ich das nicht wie alle anderen im Morgenmantel. Ich ziehe mich ordentlich an, weil ich daran denke, was das für einen Eindruck auf die Nachbarn machen könnte, wenn sie die Botschafterin im Morgenmantel sähen.

Ist das eine Sache, die sich eher in Ihrem Kopf abspielt als in dem Ihrer Nachbarn? Ja. Ginge ich allerdings im Morgenmantel, wäre es eine Sache, die sich im Kopf meiner Nachbarn abspielen würde, und genau das möchte ich ja vermeiden.

Sie scheinen sich gerne Gedanken zu machen. Auch über das Alter? Ja, aber ausschliesslich positive. Hier in den USA wird das aber nicht immer verstanden.

Können Sie ein Beispiel nennen? Ich geniesse das Älterwerden und spreche offen darüber. Die Kultur, in der ich hier lebe, setzt jedoch alles daran, ewig jung zu bleiben. Da kassiere ich schon mal einen schrägen Blick.

«Ich definiere mich über die Dinge, die ich gerne tue und über die Menschen, mit denen ich gerne zusammen bin.»

Claudia Fritsche (Foto)

Wie würden Sie den Charakterzug beschreiben, der für Ihre offene Freude am Altern verantwortlich ist? Authentizität.

Was noch macht Sie zu einer authentischen Person? Manche Diplomaten definieren sich über ihren Beruf. Ich ziehe es vor, mich über die Dinge zu definieren, die ich gerne tue. Über die Menschen, mit denen ich gerne zusammen bin, über meine Spontanität, Warmherzigkeit, Neugierde, über das Gefühl, nie zu vergessen, woher ich komme und wohin ich will. Mein Beruf ist so gesehen eine Zwischenstation.

Aber dennoch, Ihr Beruf. Lässt er Ihnen überhaupt den nötigen Spielraum, in dem Masse authentisch zu bleiben? Müssen Diplomaten nicht eher Schauspieler sein? Das täuscht. Diplomaten haben es mit verschiedensten Charakteren und Kulturen zu tun. Sie sollten sich also zurückhalten und beherrschen können. Das bedeutet nicht, dass sie sich verbiegen müssen.

Welches waren in Ihrer bisherigen Berufslaufbahn die aufregendsten und interessantesten menschlichen Begegnungen? Madeleine Albright zum Beispiel. Mit ihr bin ich bis heute befreundet und sehe sie regelmässig in Washington. Kofi Annan lernte ich kennen, bevor er Generalsekretär der Vereinten Nationen wurde. Seine Frau ist zwar ausgebildete Rechtsanwältin, wirkte in New York jedoch als engagierte Malerin. Ihre Bilder gefielen mir sehr gut. Einmal fuhren wir gemeinsam mit Kofi Annan zu ihrem Atelier und ich kaufte ein Bild. Das war etwa ein halbes Jahr, bevor er Generalsekretär wurde. Später trafen wir ihn auf einem Konzert und mein damaliger Mann sagte zu ihm: «Gut, dass wir gekauft haben. Die Preise für die Bilder Ihrer Frau werden nun sicherlich bald steigen.»

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Vom Beruf zur Freizeit: Bei welcher Tätigkeit entspannen Sie? Beim Nichtstun.

Wie muss ich mir Nichtstun vorstellen? Mit Nichtstun meine ich wohnen. Ich wohne einfach.

Sie wohnen? Ja, ich bin einfach zu Hause. Ich muss mich nicht unterhalten, sondern kann die normalen Dinge tun, die jeder so macht: aufräumen, umräumen, faul sein. Einen ganzen Tag lang so verbringen zu können, hat für mich einen enormen Erholungswert.

Das klingt fast so, als würden Sie andere um deren Freizeitgestaltung beneiden, während diese Sie um pompöse Empfänge und grosse Autos mit Chauffeur beneiden? Zu den meisten Anlässen fahre ich mit meinem VW Käfer Cabrio durch Washington – selber.

Eine im Sinne des Wortes recht «un-diplomatische» Lösung, oder? Eine einfache und pragmatische – so wie ich sie mag.

Sie erleben viel. Sie müssen aber auch viel geben und können wenige Pausen machen. Gab es schon Tage, an denen Sie aufgewacht sind und bedauert haben, keinen anderen Beruf erlernt zu haben? Nein! Niemals. Mein Beruf ist das Beste, was ich mir hätte wünschen können.

Sie repräsentieren das kleine Land Liechtenstein in dem grossen Land USA. Wie werden Sie in Amerika wahrgenommen? Man begegnet uns mit Neugierde, Fairness und Erstaunen.

Erstaunen? Viele Menschen wissen nur wenig oder gar nichts über Liechtenstein und sind dann erstaunt, wenn ich ihnen erzähle, dass wir eine hoch entwickelte Industrie haben, die sogar höhere Staatseinnahmen generiert als der Finanzdienstleistungssektor. Wenn sie hören, dass wir zu den 30'000 Arbeitsplätzen in Liechtenstein weitere 30'000 im Ausland geschaffen haben, sind sie erstaunt darüber, dass ein Land mit 35'000 Einwohnern weltweit 60'000 Menschen beschäftigt.

Mich erstaunt immer wieder, wie schnell die Zeit vergeht. Ich bedanke mich für dieses Gespräch. Ich danke.