persönlich

Vor Ort sein, wo man gebraucht wird. Verantwortung übernehmen für Kunden sowie im Umgang mit Risiken und Ressourcen. All dies ist nicht allein Bestandteil einer Philosophie, sondern Voraussetzung für eine Bank, welche die Nähe ihrer Kunden sucht. So gelten wir als eine in hohem Masse persönliche Bank und mehren nicht nur das Vermögen, sondern auch das Vertrauen unserer Kunden.

Fred Mayer (Foto)
Im Gespräch mit: Fred Mayer,
Jahrgang 1933, Geschichtenerzähler mit
der Kamera und Herausgeber mehrerer
Fotobände aus Zürich

Ihre Bilder sind um die Welt gegangen und wesentlich berühmter geworden als Sie selbst. Zum Glück!

Wie waren die Anfänge? Wie sind Sie Fotograf geworden? Ein Kamerad aus dem Ruderclub hat erzählt, dass man als Fotograf haufenweise schöne Mädchen trifft.

War das die damals übliche Art, sich seinen Beruf auszuwählen? Nein, aber sie passte zu meinem Anspruch, anders zu sein als die anderen.

War es zur damaligen Zeit nicht verbreitet, dass die Eltern sich in die Berufswahl einmischten? Jeder ist für sich, sein Leben und seine Taten persönlich verantwortlich. Dieser Meinung war auch mein Vater und liess uns machen.

Mussten Sie über Ihre Berufsentscheidung lange nachdenken? Nein. Ich habe meine Entscheidungen immer schnell und aus dem Bauch heraus getroffen. Geht auch nicht anders. Im Kopf habe ich nicht viel. Und im Herzen ist mittlerweile eine Kunstklappe drin. Bleibt also nur der Bauch.

Sie waren 40 Jahre mit der Fotoagentur Magnum liiert? Liiert, nicht verheiratet. Ich habe für und mit Magnum gearbeitet, aber nicht als Vollmitglied. Wer mit Magnum verheiratet ist, muss extrem viel Zeit aufwenden, um präsent zu sein. Ich musste mich entscheiden: ein schönes glückliches Leben mit der Familie in Zürich, oder als Fotograf in New York. Ich entschied mich für das schöne Leben. Die drittbeste Entscheidung meines Lebens.

Was waren die zweitbeste und die beste? Die beste war, meine Frau zu heiraten. Die zweitbeste, meine Tochter zu zeugen.

Wie würden Sie die Person Fred Mayer beschreiben? Welchen Mayer meinen Sie denn?

«Jeder ist für sich, sein Leben und seine Taten persönlich verantwortlich.»

Fred Mayer (Foto)

Wie viele gibt es denn? Zwei. Den privaten Mayer und den Fotografen. Wenn ich fotografiere, bin ich ein anderer Mensch – sehr, sehr konsequent und stur. Manchmal schaut der eine Mayer dem anderen zu und denkt sich: was für ein verrückter Kerl in einer verrückten Welt.

Was sind die verrückten Momente in dieser Welt? In Sibirien mit Einheimischen Walrosse jagen gehen mit Booten, die nur aus dem Fell der Tiere bestehen; Jäger begleiten, die Tiger mit den Händen fangen. Einmal habe ich in der russisch-orthodoxen Kirche die Osterprozession fotografiert. Ich kniete vorne auf dem Boden. Da kam der Metropolit, murmelte seine Gesänge und tauchte sein Wedel ins Weihwasser. Dann plötzlich sang er «Objektivo, Objektivo…» und schaute mich eindringlich an. Zum Glück habe ich rechtzeitig begriffen, dass er meinte, ich solle mein Objektiv vor dem Weihwasser schützen.

Religion ist immer wieder Thema Ihrer Arbeit? Das stimmt. Ich habe in Israel fotografiert, in Russland und auch lange Jahre im Vatikan. Ich hatte sogar eine Audienz bei Papst Wojtyla, der mein Buch über den Vatikan lobte und mich zum Weitermachen anhielt. Davon will Papst Ratzinger jetzt aber leider nichts wissen.

Fred Mayer (Foto)

Haben Sie Vorbilder? Nein.

Sind Sie anderen ein Vorbild? Das weiss ich nicht. Aber ich möchte keines sein.

Ihr Enkel Tim Oliver hat eine Fotografenlehre abgebrochen, um nun Automechaniker zu lernen. Hätten Sie sich gewünscht – ausnahmsweise –, er hätte seinen Grossvater zum Vorbild genommen? Nein. Es ist sein Leben und seine persönliche Entscheidung.

Hat das den fotografierenden Mayer in Ihnen nicht wütend gemacht? Nein. Und den privaten Mayer auch nicht.

Was könnte den privaten Mayer wütend machen? Politik zum Beispiel.

Wieso? Die Politik schreit nach Demokratie. Aber über die wichtigsten Sachen kann das Volk nicht abstimmen. Die Welt wird von etwa 50 Leuten dirigiert. Das ist wie bei einem Autorennen: Drei haben die guten Autos und die anderen sind die Pausenfüller.

Es heisst über Sie, Sie müssten mindestens 100 Jahre alt werden, um noch alles zu tun, was Sie sich vorgenommen haben. Welches sind Ihre grössten Vorhaben? Da wäre in der Tat noch einiges, was ich gerne machen würde. Ich würde gerne das neue russische Spaceprogramm fotografieren. Da gehen jetzt Dinge, die früher nicht möglich waren, wie beispielsweise die offizielle Zusammenarbeit von Amerikanern und Russen. Aber auch in den USA wartet Spannendes auf mich. Je nachdem, wie die Präsidentschaftswahlen ausgehen, könnten dem Land noch grosse Veränderungen ins Haus stehen. Jerusalem wäre ein weiteres Thema. Dort gibt es einen Rabbiner, der sich ausschliesslich damit beschäftigt, die moderne Technik für das orthodoxe Judentum so zu nutzen, dass die Verbote der Halacha umgangen werden können. Er hat den koscheren Stromschalter erfunden, Tinte, die wieder verschwindet, und ist Autor von viel beachteten Büchern wie «Sabbat und Elektrizität» oder «Gebote beachten im Weltraum». Den muss ich unbedingt kennenlernen.

Klingt so, als würde Sie ein ruhiges Pensionärsleben nicht reizen? Wäre mir das vorprogrammierte Nichtstun wichtig, wäre ich Eisenbahner oder Postbeamter geworden. Ich denke höchstens an das Pensionistendasein anderer.

Das müssten Sie mir noch kurz erklären. Ich interessiere mich für die Menschen, die früher ganz wichtig waren und die Welt gelenkt haben, von denen man aber jetzt nichts mehr hört. Ich würde gerne sehen, wie sie leben, was sie machen, was sie denken und wie sie ihre Tage verbringen.

Bei all diesen Sachen wünsche ich Ihnen alles Gute und viel Vergnügen – und bedanke mich recht herzlich für dieses Gespräch. Bitte, gerne.