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profiliert

Exakte Konzepte. Fundiertes Know-how. Genaues Arbeiten. Ausgeprägte Kundennähe und massgeschneiderte Produkte. Um unter den Guten zu den Besten zu gehören, muss man auch als Bank Überdurchschnittliches leisten. Darauf beruht unser Denken. Unser Handeln. Und unsere weltweit gute Reputation, der wir jeden Tag von Neuem gerecht werden.

Manu Melwani (Foto)
Im Gespräch mit: Manu Melwani,
Jahrgang 1947, berühmter Schneider und
Inhaber von Sam’s Tailors in Hongkong

Es heisst, ein guter Schneider muss viel über seine Kunden wissen. Was gehört ausser den Massen noch zu diesem Wissen? Er muss ihre Vorlieben kennen, den Stil, den sie bevorzugen, aber auch ihre Abneigungen.

Was muss ein guter Schneider können, ausser seinem Handwerk? Er muss gut zuhören und genauso gut verstehen können. Und: Er muss in der Lage sein, dieses Wissen in einen Anzug umzusetzen. Damit der Kunde genau das bekommt, was er bestellt hat. Bekommt er etwas anderes, hätte er auch von der Stange kaufen können.

Mal abgesehen von der Passgenauigkeit: Worin unterscheiden sich ein guter Anzug von der Stange und ein geschneiderter? Gar nicht. Beide haben Ärmel und Hosenbeine – meist zwei Stück.

Wie bitte? Ich habe nur Spass gemacht. Ein massgeschneiderter Anzug ist das, was Sie gewählt haben. Und zwar genau das. Er entspricht zu 100 Prozent Ihren Wünschen und Vorstellungen.

Erkennen Sie Ihre Anzüge manchmal auf Titelblättern von Zeitschriften wieder? Natürlich. Nicht nur auf Titelblättern, sondern zum Beispiel auch auf Partys. Ich kann Ihnen genau sagen, welche Anzüge von mir und welche von anderen Schneidern kommen. Welche von der Stange, welche schlecht oder welche gar beides sind.

Gibt es klare Merkmale, die Ihre Arbeit auszeichnen? Natürlich. Meine eigenen Schnitte, mein eigener Stil.

Was ist das Geheimnis Ihres Erfolgs? Was macht Sie besser als andere top-Schneider? Ich höre meinen Kunden zu. Und zwar sehr, sehr genau.

War es für Sie klar, dass Sie den Beruf Ihres Vaters erlernen? Oder haben Sie auch mit anderen Berufen geliebäugelt? Nein, es ist nicht automatisch klar. Ich musste sehr lange darüber nachdenken, ob es das ist, was ich will. Ich wusste: Wenn ich mich für diesen Weg entscheide, muss ich sieben Jahre lang lernen und zuhören, bevor ich mit der eigentlichen Arbeit beginnen kann. Anfänglich überlegte ich auch, Anwalt zu werden.

«Ich höre meinen Kunden zu. Und zwar sehr, sehr genau.»

Manu Melwani (Foto)

Sie haben mit vielen berühmten Leuten zu tun. Haben Sie Ehrfurcht vor der Prominenz oder nur vor der Persönlichkeit des Einzelnen? Auch meine prominenten Kunden zahlen mich nicht für Ehrfurcht, sondern für gute Anzüge. Abgesehen davon verdient jedes menschliche Wesen Ehrfurcht.

Kleider machen Leute, sagt man. Teilen Sie diese Ansicht? Auf jeden Fall. Die Kleider helfen dem, der sie trägt, als das erkannt zu werden, was er ist. Und sie helfen den Beobachtern, die Beobachteten besser einordnen zu können.

Warum spielt Kleidung Ihrer Meinung nach eine derart wichtige Rolle? Wer sich im Business präsentieren will oder muss, weiss, wovon ich spreche. Ein Geschäftsabschluss wird Ihnen in einem guten Anzug einfach besser gelingen als in Freizeitkleidung.

Ihr Sohn Roshan hat zunächst in der IT-Branche Karriere gemacht, nun aber Tastatur gegen Nadel und Faden getauscht. Ist diese Wendung Ihrer Überredungskunst zu verdanken? Nein. Er hat sich von allein dazu entschieden, das Geschäft seines Grossvaters in Zukunft weiterzuführen.

Manu Melwani (Foto)

Man liest über Sie, dass Sie Ihre Schneider jahrelang Knopflöcher nähen lassen, bevor Sie sie mehr machen lassen. Konnte sich Roshan schneller hocharbeiten? Im Gegenteil. Er durchläuft diese Phase recht langsam.

Wie wäre es mit Sam’s Tailors weitergegangen, wenn Roshan bei seinen Computern geblieben wäre? Das weiss ich nicht. Glücklicherweise müssen wir uns mit dieser Frage aber nicht auseinandersetzen und können uns auf das eigentlich Wichtige konzentrieren: unsere Kunden.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit? Ich verbringe sie mit meiner Frau und nutze sie, um mich zu erholen.

Wird man Sie jemals auf der Strasse in Freizeitkleidung antreffen? Ja.

Trugen Sie in Ihrem Leben mehr Anzüge oder mehr Freizeitkleidung? Eindeutig mehr Anzüge.

Was hatte das in Ihrem Leben für Auswirkungen? Zum einen hat es natürlich erhebliche Auswirkungen auf meinen Anzugverschleiss. Zum anderen muss ich zugeben, dass ich mich nackt fühle, wenn ich meine Anzüge nicht in der Nähe habe.

Mit einem 8-Stunden-Tag kommen Sie sicher nicht aus, oder? Doch, doch.

Diese Antwort zeigt, dass Sie gut im Zeitsparen sind. Werden Sie es mit dieser Begabung schaffen, rechtzeitig in den Ruhestand zu gehen? Ich bin schon seit Jahren im Ruhestand.

Wenn das so ist, will ich Ihnen keine wertvolle Ruhestandszeit mehr stehlen und bedanke mich herzlich für das Gespräch. Bitte, sehr gerne.